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Wahlprüfsteine der U18

Welche jugendpolitischen Themen werden Sie in der kommenden Legislaturperiode in Angriff nehmen?

Als einen entscheidenden Punkt sehen wir - zur Stärkung der Jugendarbeit, Jugendverbands- und Jugendsozialarbeit in den Städten und Gemeinden - die lang versprochene Aufstockung der so genannten Jugendpauschale von derzeit 9 auf 15 Millionen € an. Wir halten es für nötig, den Landesjugendhilfeplan finanziell aufzustocken, um dem gemeldeten Bedarf mehr zu entsprechen. Das Landesprogramm Schulsozialarbeit wollen wir ausbauen, um mehr Schulen eine Stelle zu ermöglichen. Für Jugendliche in Ausbildung wollen wir als ersten Schritt zu einem thüringenweiten Azubi-Ticket einen Landeszuschuss für die Fahrt- und Unterbringungskosten.


Gibt es ein Thema für das Sie sich ganz besonders einsetzen werden?

DIE LINKE setzt sich besonders für soziale Gerechtigkeit ein. Damit verbunden ist die Bekämpfung von Kinderarmut und sozialer Auslese im Bildungssystem. Dazu wollen wir längeres gemeinsames Lernen an den Thüringer Schulen etablieren. Es schadet allen, wenn schon nach der vierten Klasse entschieden wird, wer einen Hauptschulabschluss und wer ein Abitur bekommen soll. Deshalb setzen wir uns dafür ein, mehr Gemeinschaftsschulen zu schaffen. Am Ende müssen jedoch Schülerinnen und Schüler, Eltern, sowie Lehrerinnen und Lehrer zusammen entscheiden, ob ihre Schule eine Gemeinschaftsschule wird. Eine Abschaffung der Gymnasien von oben wird es mit der LINKEN nicht geben.
Wie stehen Sie zur Wahl ab 16 Jahren auf Landes- und Kommunalebene? (max. 700 Zeichen)
Es ist sinnvoll und zeitgemäß, das Wahlalter abzusenken. Wenn Jugendliche ab 16 Jahren wählen dürfen, so bedeutet das bessere Mitbestimmung und Anreize für mehr politisches Interesse. In vielen Bundesländern ist das deswegen schon umgesetzt. Im Thüringer Landtag wurde vor zwei Jahren ein solcher Vorschlag der LINKEN durch die meisten anderen Parteien abgelehnt. Hätte es eine Mehrheit gegeben, könnten Jugendliche bereits in diesem Jahr wählen. Wir werden uns auch weiterhin für die Herabsenkung des Wahlalters auf 16 Jahre einsetzen.


Wie wollen Sie den Hochschulstandort Thüringen stärken?

Die Thüringer Hochschulen und Universitäten brauchen vor allem eine verlässliche und verbesserte finanzielle Ausstattung, um gute Lehr- und Forschungsbedingungen zu schaffen. Auch Hochschulangehörige brauchen eine sichere, gut bezahlte Arbeit. Dabei muss darauf geachtet werden, dass Thüringen genug Geld zur Verfügung stellt, damit nicht am Ende große Unternehmen oder das Militär bestimmen, was erforscht und was an Ausbildungsinhalten vermittelt wird. DIE LINKE bleibt zudem dabei, dass Hochschule mehr als bloße Ausbildung sein muss. Wir wollen, dass es viel Raum für Diskussionen und kritisches Denken gibt, um den jungen Menschen genug Freiräume zur persönlichen Entwicklung zu lassen.

Sollte der Breitbandausbau in Thüringen stärker gefördert werden?
Definitiv muss in Thüringen mehr für den Breitbandausbau getan werden. Heutzutage ist eine schnelle Internetanbindung sowohl in der Stadt als auch im ländlichen Raum ein wichtiger Beitrag zur Demokratie und ein wichtiger wirtschaftlicher Standortfaktor.
Wir wollen Modellprojekte für kostenfreies öffentliches WLAN in Städten und Dörfern initiieren, Hotspots in öffentlichen Verkehrsmitteln einrichten und verstehen den Zugang zum Internet als Teil öffentlicher Daseinsvorsorge.

 

Wie stehen Sie zu dem Vorschlag, dass alle Lehr- und Lernmittel vom Land finanziert werden sollen?

Bildung muss für jedes Kind und jeden Jugendlichen kostenfrei zugänglich werden – von der KiTa bis zur Hochschule. Aufgrund der Veränderungen von Lehr- und Lernmitteln muss Lernmittelfreiheit völlig neu gedacht werden. Schulbücher und Taschenrechner sind von den Schulen in ausreichender Menge als Leihgaben zur Verfügung zu stellen, Erstausstattungen müssen erstattet werden können. Lernmittelfreiheit bedeutet auch, dass Eltern keine gesonderte Abgabe für Kopien an die Schule leisten müssen. Wenn zusätzlich der Einsatz digitaler Medien – z.B. Tablet-PCs – konkret werden soll, muss die Frage nach der Lernmittelfreiheit erst recht neu beantwortet werden.

 

Wie wollen Sie die Ausbildungsqualität in Thüringen in den kommenden Jahren halten oder sogar verbessern?

DIE LINKE will die duale Ausbildung, das heißt die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, weiter stärken. Hier liegt es auch vor allem an den Unternehmen selbst, attraktive Angebote für junge Menschen zu unterbreiten, um die eigenen Bedarfe an Fachkräften zu sichern.

Die Politik muss hier für gute Rahmenbedingungen schaffen: Bundesweit streiten wir für ein Mindestausbildungsentgelt. In Thüringen brauchen wir eine verbesserte Berufsschulnetzplanung und eine Unterstützung der Auszubildenden bei Fahrt- und Unterbringungskosten. Deshalb will DIE LINKE zum Beispiel, ähnlich wie das Semesterticket der Studierenden, ein thüringenweites Azubi-Ticket einführen.

 

Sollen die Angebote politischer Bildung in Thüringen verbessert werden? Wenn ja, wie?

In Thüringen gibt es bereits sehr gute Angebote zur politischen Bildung. Verbessern lassen sich diese, indem von vornherein Jugendliche und junge Erwachsene wie generell Bürgerinnen und Bürger nach ihren Interessen und Bedürfnissen zur politischen Bildung befragt und die Angebote stärker an den Interessen orientiert werden.

Der Inlandsgeheimdienst Verfassungsschutz und die Bundeswehr sind für DIE LINKE keine angemessenen Bildungsträger. Ihre Programme orientieren sich nicht an pädagogischen Standards, sie haben in Bildungseinrichtungen deshalb auch nichts zu suchen.

 

Wie wollen Sie die Jugendarbeitslosigkeit in Thüringen, welche über dem Bundesschnitt liegt, wirksam bekämpfen?

Wer Jugendarbeitslosigkeit in Zukunft verhindern will, muss auf gute Bildung setzen. Wenn acht Prozent der Thüringer Schülerinnen und Schüler keinen Schulabschluss erreichen, ist dies eine Katastrophe. Hier brauchen wir bessere Konzepte und vor allem mehr Lehrerinnen und Lehrer, um eine bessere individuelle Betreuung und Unterstützung zu sichern.

Bei jungen Menschen, die nach der Schule keine Ausbildung finden, muss es uns um gute Qualifizierung und Weiterbildung gehen. Wir müssen also Unternehmen ermutigen, auch „schwierigen“ Jugendlichen eine Chance zu geben und ggf. Geld in die Hand nehmen, um mit staatlicher Unterstützung jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu eröffnen.

 

Welche Fragen wollen Sie gern einmal direkt an Jugendliche richten?

Statt Jugendliche mit Fragen zu löchern, sollten gerade Politikerinnen und Politiker einfach mal zuhören: Wir würden gern von Jugendlichen wissen, was sie sich von uns als Politikern in Thüringen erwarten, ob sie mit der Politik - insbesondere für Jugendliche - zufrieden sind, was Ihnen fehlt und was sie, wenn sie Abgeordnete wären, anders machen würden.

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