Käte-Duncker-Frauenpreis 2025

Seit 2010 verleiht Die Linke Thüringen jährlich einen Preis zur Würdigung herausragender weiblicher Persönlichkeiten, Projekte, Initiativen und Vereine. Ausgezeichnet werden in diesem Jahr Frauen, die sich engagiert für Gleichstellung, Emanzipation und körperliche Selbstbestimmung, auch in der Wissenschaft oder im Kampf gegen die extreme Rechte einsetzen.

Seit 2023 trägt der LINKE Frauenpreis den Namen der feministischen Sozialistin Käte Duncker, die von 1921 bis 1923 Mitglied des Thüringer Landtags war. Bereits vor über 100 Jahren organisierte sie Frauenkonferenzen, um Frauen zu ermutigen, für ihre Rechte einzutreten. Als Lehrerin und Politikerin verband sie praktische Hilfe mit politischem Kampf: Sie linderte akute Not und kämpfte zugleich gegen strukturelle Ungerechtigkeiten. Ihr Lebenswerk ist ein Beispiel für die notwendige Verbindung von Wort und Tat.

Am 22. Mai, dem Vorabend von Käthe-Dunckers Geburtstag hat die Verleihung des gleichnamigen Frauenpreises in Erfurt stattgefunden. Herausragend engagierte Frauen und Initiativen wurden ausgezeichnet, die sich mit Mut, Kreativität und Ausdauer für Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit und eine solidarische Gesellschaft einsetzen. Die siebzehn Nominierungen zum diesjährigen Käte-Duncker-Frauenpreis spiegelten die breite Vielfalt des feministischen und zivilgesellschaftlichen Engagements in Thüringen wider.

Das Frauen- und Familienzentrum Louise aus Bad Salzungen für die beeindruckende Ausstellung „Femizide in Bad Salzungen/Wartburgkreis“. Organisiert vom Frauen- und Familienzentrum LOUISE in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten des Wartburgkreises, setzt die Ausstellung ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Frauen – insbesondere im ländlichen Raum. Besonderes Augenmerk galt dem Engagement der jungen Mädchen, die sich mutig und kreativ einem oft tabuisierten Thema gewidmet haben. Die Laudatio der Wahlkreisabgeordneten, Anja Müller, hob hervor, wie wichtig Sichtbarkeit, Aufklärung und konkrete Unterstützungsangebote gerade in strukturschwachen Regionen sind.

Felizia Möhle für ihren herausragenden Einsatz für Sichtbarkeit, Gleichstellung und eine offene Gesellschaft. Im ZDF-Fernsehrat setzt sie sich für die Repräsentation der queeren Community ein, ebenso engagiert wirkt sie im Vorstand von QueerWeg e.V., im Erfurter Queeren Zentrum und an der Universität Erfurt gegen Diskriminierung und für geschlechtliche Vielfalt. Als sachkundige Bürgerin im Sozialausschuss bringt sie queere Perspektiven in die kommunale Politik ein. Auf Demonstrationen ist sie eine klare, laute Stimme – mutig, öffentlich sichtbar und trotz Anfeindungen unbeirrbar in ihrem Engagement.

Auch die Initiative TVStud Thüringen wurde für ihr herausragendes Engagement für faire Arbeitsbedingungen, feministische Hochschulpolitik und soziale Gerechtigkeit ausgezeichnet. Die Initiative setzt sich seit 2020 mit kreativen Aktionen, politischem Druck und solidarischer Vernetzung für die Rechte der rund 3.500 studentisch Beschäftigten an Thüringer Hochschulen ein – insbesondere für FLINTA*-Personen und prekär Beschäftigte. Die Initiative verbindet tarifpolitischen Kampf mit praktischer Selbstermächtigung und hat mit der Rahmendienstvereinbarung 2024 einen wichtigen Erfolg erzielt. TVStud steht klar antifaschistisch, demokratisch und solidarisch – innerhalb und außerhalb der Hochschulen. Mit ihrer Arbeit führt die Initiative das Erbe Käte Dunckers fort: mutig, kollektiv und zukunftsgerichtet.

Mit dem Käte-Duncker-Frauenpreis 2025 wurde auch Mary-Ellen Witzmann für ihren außergewöhnlichen Mut und ihr konsequentes Eintreten gegen Machtmissbrauch und Sexismus am Theater Erfurt ausgezeichnet. Frau Witzmann verkörpert die Prinzipien gelebter Gleichstellungsarbeit: zuhören, Missstände benennen und Verantwortung übernehmen – auch unter großem Druck. Ihr Engagement brachte eine öffentliche Debatte in Gang, die weitreichende personelle Konsequenzen hatte, bis hin zur Abwahl des Oberbürgermeisters. Mit dieser Auszeichnung wird eine Frau geehrt, die im Sinne von Käte Duncker für Gerechtigkeit und Frauenrechte einsteht – mit Haltung, Zivilcourage und unbeirrbarem Einsatz.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends waren die Poetry-Slam-Einlagen zweier junger Genoss:innen, die mit eindrucksvoller Frische, Sprache und emotionaler Wucht zentrale Themen des Abends verdichteten: Wut, Hoffnung und der unbedingte Wille die Zustände nicht einfach zu ertragen. Das Publikum war sichtbar ergriffen und wird diesen Abend nicht so schnell vergessen.

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