Zum Hauptinhalt springen

Käte-Duncker-Frauenpreis 2026

Seit 2010 verleiht Die Linke Thüringen jährlich einen Preis zur Würdigung herausragender weiblicher Persönlichkeiten, Projekte, Initiativen und Vereine. Ausgezeichnet werden in diesem Jahr Frauen, die sich engagiert für Gleichstellung, Emanzipation und körperliche Selbstbestimmung, auch in der Wissenschaft oder im Kampf gegen die extreme Rechte einsetzen.

Seit 2023 trägt der LINKE Frauenpreis den Namen der feministischen Sozialistin Käte Duncker, die von 1921 bis 1923 Mitglied des Thüringer Landtags war. Bereits vor über 100 Jahren organisierte sie Frauenkonferenzen, um Frauen zu ermutigen, für ihre Rechte einzutreten. Als Lehrerin und Politikerin verband sie praktische Hilfe mit politischem Kampf: Sie linderte akute Not und kämpfte zugleich gegen strukturelle Ungerechtigkeiten. Ihr Lebenswerk ist ein Beispiel für die notwendige Verbindung von Wort und Tat.

Eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung und eine feministische Perspektive in Wissenschaft und Forschung sind zentrale Voraussetzungen für soziale Gerechtigkeit. Mit dem Käte-Duncker-Frauenpreis 2026 werden Frauen, FLINTA*-Personen, Initiativen und Projekte gewürdigt, die sich in herausragender Weise für Gleichstellung, Sichtbarkeit und strukturelle Veränderungen im Bereich Gesundheit und Forschung einsetzen.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung sind Frauen. Ihre Gesundheitsrisiken, ihr Gesundheitsverhalten und ihre Krankheitsverläufe unterscheiden sich erheblich von denen der Männer. Zwar leben Frauen im Durchschnitt länger, sie verbringen jedoch weniger Lebensjahre in guter Gesundheit. Sozioökonomische Einflussfaktoren – insbesondere Mehrfachbelastungen durch Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Haushalt – wirken sich negativ auf die Gesundheit von Frauen aus. Armut, insbesondere im Alter infolge geringerer Rentenansprüche, stellt einen zusätzlichen strukturellen Risikofaktor dar.

Trotz dieser Unterschiede werden die spezifischen Bedürfnisse von Frauen im Gesundheitssystem und in der medizinischen Forschung noch immer unzureichend berücksichtigt. Ein erheblicher Gender Data Gap prägt wissenschaftliche Studien, Medikamentenzulassungen und die Bewertung von Nebenwirkungen. Forschungsergebnisse beruhen häufig auf männlich dominierten Datenlagen, was dazu führt, dass Frauen in Diagnose, Therapie und Versorgung benachteiligt sind. Normative Wertungen und geschlechtsspezifische Vorurteile fließen weiterhin in medizinische Bewertungen ein und können Heilungsprozesse erschweren.

Dabei zeigen Studien, dass Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitsverhalten bei Frauen stärker ausgeprägt sind als bei Männern. Frauen gehen oft achtsamer mit ihrem Körper um und nehmen Gesundheitsangebote, insbesondere im Bereich der Prävention und Vorsorge, häufiger wahr. Dieses Wissen und Engagement befindet sich jedoch in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu den strukturellen Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns als Linke Thüringen dazu entschieden, den Käte-Duncker-Frauenpreis 2026 unter dem Schwerpunkt „Frauen in Gesundheit und Forschung“ auszuschreiben.

Im Fokus stehen insbesondere:

  • Frauen und FLINTA*-Personen im Gesundheitswesen, z. B. in Pflege, Medizin, Prävention oder im Bereich psychischer Gesundheit,
  • feministische Perspektiven in Wissenschaft und Forschung,
  • Initiativen und Projekte, die strukturelle Ungleichheiten in Gesundheit, Versorgung und Forschung sichtbar machen oder abbauen,
  • Engagement an der Schnittstelle von Praxis, Wissenschaft und politischer Forderung.

Gesucht werden Vorhaben, die die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen sowie die Vielfalt ihrer Lebensrealitäten in den Mittelpunkt stellen und zu einem erhöhten gesellschaftlichen Bewusstsein für geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung beitragen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Themenfeldern:

  • Schwangerschaft und Geburt,
  • geschlechtersensible Frauenheilkunde,
  • Endometriose,
  • Menopause,
  • sowie der Verbesserung der medizinischen Versorgung von Frauen und Mädchen mit Behinderungen.

Im Jahr 2026 werden insgesamt drei Preise vergeben:

  1. Kategorie Einzelperson – Würdigung eines individuellen Engagements
  2. Kategorie Initiative – Auszeichnung eines längerfristigen kollektiven Engagements
  3. Kategorie Forschungsprojekt – Anerkennung eines zeitlich oder inhaltlich klar umrissenen Vorhabens

Damit ermöglicht der Käte-Duncker-Frauenpreis 2026 sowohl die individuelle Würdigung einzelner Personen als auch die Anerkennung kollektiver, institutioneller oder zivilgesellschaftlicher Ansätze. Ziel ist es, beispielhaftes Engagement sichtbar zu machen, feministische Perspektiven zu stärken und nachhaltige Impulse für eine gerechtere Gesundheitsversorgung und Forschung in Thüringen zu setzen.

Vorschläge können von allen Menschen eingereicht werden. Feministische Projekte und Vereine können sich außerdem selbst vorschlagen.

Der Käte-Duncker-Frauenpreis wird ausschließlich an Frauen, Initiativen oder Projekte vergeben, die in Thüringen aktiv sind und sich insbesondere für die folgenden Themen einsetzen:

Ausgezeichnet werden Frauen, FLINTA*-Personen, Initiativen und Forschungsprojekte, die sich in herausragender Weise im Themenfeld „Frauen in Gesundheit und Forschung“ engagieren — insbesondere dort, wo sie zu Gleichstellung, Sichtbarkeit und strukturellen Verbesserungen beitragen.

Besonders berücksichtigt werden Engagements zu:

  • Schwangerschaft und Geburt
  • geschlechtersensibler Frauenheilkunde
  • Endometriose
  • Menopause
  • Gesundheit von Frauen und Mädchen mit Behinderungen

Vorschläge reichen Sie bitte über das Formular ein, Einsendeschluss ist der 8. Mai 2026.

Rückfragen richten Sie bitte an: lgst@die-linke-thueringen.de 

Käte Duncker war eine deutsche sozialdemokratische und später kommunistische Politikerin, Pädagogin und Frauenrechtlerin. Nach dem Tod ihres Vaters zog sie mit ihrer Mutter nach Friedrichroda in Thüringen, wo sie die Höhere Töchterschule besuchte. Ihre pädagogische Ausbildung absolvierte sie am Lehrerinnenseminar in Eisenach.

1893 begann sie als Lehrerin in Leipzig und engagierte sich ab 1894 im Arbeiterbildungsverein. 1898 heiratete sie Hermann Duncker und trat der SPD bei. Sie hielt Vorträge über Literatur, Pädagogik und Sozialpolitik und setzte sich für die Rechte von Frauen und Arbeiterinnen ein. 1907 wurde sie stellvertretende Redakteurin der sozialistischen Frauenzeitschrift "Die Gleichheit" unter Clara Zetkin.

Während des Ersten Weltkriegs gehörte sie zum linken Flügel der SPD und war Mitbegründerin der Zeitschrift "Die Internationale". 1915 nahm sie an der Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen gegen den Krieg in Bern teil. 1918 war sie Gründungsmitglied der KPD und gehörte bis 1919 deren Zentrale an. Von 1921 bis 1923 war sie Abgeordnete im Thüringer Landtag.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde sie verfolgt und emigrierte 1938 in die USA. Dort arbeitete sie als Haushaltshilfe und Deutschlehrerin. 1947 kehrte sie nach Deutschland zurück, lebte in Rostock und später in Bernau, wo sie 1953 nach langer Krankheit verstarb.

Die Jury des Käte Duncker Frauenpreises setzt sich aus Akteurinnen der Partei Die Linke und der Zivilgesellschaft in Thüringen zusammen.

Am 22. Mai, dem Vorabend von Käthe-Dunckers Geburtstag hat die Verleihung des gleichnamigen Frauenpreises in Erfurt stattgefunden. Herausragend engagierte Frauen und Initiativen wurden ausgezeichnet, die sich mit Mut, Kreativität und Ausdauer für Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit und eine solidarische Gesellschaft einsetzen. Die siebzehn Nominierungen zum diesjährigen Käte-Duncker-Frauenpreis spiegelten die breite Vielfalt des feministischen und zivilgesellschaftlichen Engagements in Thüringen wider.

Das Frauen- und Familienzentrum Louise aus Bad Salzungen für die beeindruckende Ausstellung „Femizide in Bad Salzungen/Wartburgkreis“. Organisiert vom Frauen- und Familienzentrum LOUISE in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten des Wartburgkreises, setzt die Ausstellung ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Frauen – insbesondere im ländlichen Raum. Besonderes Augenmerk galt dem Engagement der jungen Mädchen, die sich mutig und kreativ einem oft tabuisierten Thema gewidmet haben. Die Laudatio der Wahlkreisabgeordneten, Anja Müller, hob hervor, wie wichtig Sichtbarkeit, Aufklärung und konkrete Unterstützungsangebote gerade in strukturschwachen Regionen sind.

Felizia Möhle für ihren herausragenden Einsatz für Sichtbarkeit, Gleichstellung und eine offene Gesellschaft. Im ZDF-Fernsehrat setzt sie sich für die Repräsentation der queeren Community ein, ebenso engagiert wirkt sie im Vorstand von QueerWeg e.V., im Erfurter Queeren Zentrum und an der Universität Erfurt gegen Diskriminierung und für geschlechtliche Vielfalt. Als sachkundige Bürgerin im Sozialausschuss bringt sie queere Perspektiven in die kommunale Politik ein. Auf Demonstrationen ist sie eine klare, laute Stimme – mutig, öffentlich sichtbar und trotz Anfeindungen unbeirrbar in ihrem Engagement.

Auch die Initiative TVStud Thüringen wurde für ihr herausragendes Engagement für faire Arbeitsbedingungen, feministische Hochschulpolitik und soziale Gerechtigkeit ausgezeichnet. Die Initiative setzt sich seit 2020 mit kreativen Aktionen, politischem Druck und solidarischer Vernetzung für die Rechte der rund 3.500 studentisch Beschäftigten an Thüringer Hochschulen ein – insbesondere für FLINTA*-Personen und prekär Beschäftigte. Die Initiative verbindet tarifpolitischen Kampf mit praktischer Selbstermächtigung und hat mit der Rahmendienstvereinbarung 2024 einen wichtigen Erfolg erzielt. TVStud steht klar antifaschistisch, demokratisch und solidarisch – innerhalb und außerhalb der Hochschulen. Mit ihrer Arbeit führt die Initiative das Erbe Käte Dunckers fort: mutig, kollektiv und zukunftsgerichtet.

Mit dem Käte-Duncker-Frauenpreis 2025 wurde auch Mary-Ellen Witzmann für ihren außergewöhnlichen Mut und ihr konsequentes Eintreten gegen Machtmissbrauch und Sexismus am Theater Erfurt ausgezeichnet. Frau Witzmann verkörpert die Prinzipien gelebter Gleichstellungsarbeit: zuhören, Missstände benennen und Verantwortung übernehmen – auch unter großem Druck. Ihr Engagement brachte eine öffentliche Debatte in Gang, die weitreichende personelle Konsequenzen hatte, bis hin zur Abwahl des Oberbürgermeisters. Mit dieser Auszeichnung wird eine Frau geehrt, die im Sinne von Käte Duncker für Gerechtigkeit und Frauenrechte einsteht – mit Haltung, Zivilcourage und unbeirrbarem Einsatz.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends waren die Poetry-Slam-Einlagen zweier junger Genoss:innen, die mit eindrucksvoller Frische, Sprache und emotionaler Wucht zentrale Themen des Abends verdichteten: Wut, Hoffnung und der unbedingte Wille die Zustände nicht einfach zu ertragen. Das Publikum war sichtbar ergriffen und wird diesen Abend nicht so schnell vergessen.

Fotoimpressionen bei Flickr

Jetzt zur Festveranstaltung anmelden

Wir laden Sie sehr herzlich zur feierlichen Verleihung des Käte-Duncker-Frauenpreises ein. Die Festveranstaltung findet am 9. Juni in der Mehlhose in Erfurt statt und beginnt um 19.00 Uhr.
Um die Veranstaltung planen zu können, bitten wir um eine Anmeldung zur Teilnahme.
Wir freuen uns, Sie bei der Preisverleihung begrüßen zu dürfen!

Zurück zum Kopf der Seite