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Wahlprüfsteine Verband der Berufschullehrer

1. Duales System und verschiedene Schulformen

DIE LINKE ist der Meinung, dass vor dem Hintergrund der Durchlässigkeit des Berufsbildungssystems alle angesprochenen Schulformen Bestand haben müssen. Wir stehen zum dualen System als internationalem Erfolgsmodell. Allerdings wünschen wir uns in wichtigen Punkten andere Rahmenbedingungen für die duale Ausbildung, so etwa eine konsequent durch das Land moderierte Berufsschulnetzplanung, an deren Entscheidungsfindung die regionalen Akteure der beruflichen Ausbildung intensiv beteiligt werden, insbesondere die zuständigen Kammern, die ausbildenden Betriebe, die Bildungsausschüsse der jeweiligen Kreise und kreisfreien Städte und die beruflichen Schulen selbst. Um die duale Ausbildung zu stärken, halten wir außerdem eine stärkere Unterstützung der Berufsschülerinnen und -schüler bei den steigenden Fahrt- und Unterbringungskosten für dringlich. Hierzu arbeiten wir an der Idee eines thüringenweiten Ausbildungstickets. Bis dieses umgesetzt werden kann, sollte zeitnah durch eine Überarbeitung der bestehenden Förderrichtlinie des Kultusministeriums ein deutlich verbesserter Zugang der Berufsschülerinnen und -schüler zu Unterstützungsmitteln seitens des Landes organisiert werden.


2. Altersdurschnitt der Lehrerinnen und Lehrer

Thüringen braucht ein eigenes Personalentwicklungskonzept für den Bereich der beruflichen Schulen. Alle dafür notwendigen Rahmendaten liegen vor. Um den weiteren Anstieg des Durchschnittsalters unter den Lehrerinnen und Lehrern zu stoppen, sollte die Ausbildung und Einstellung von jungen Berufsschullehrern und die Werbung von Quereinsteigern gestärkt werden. Wichtig ist zudem, Quereinsteigerinnen und -einsteiger vor Beginn ihrer neuen Tätigkeit und später berufsbegleitend ausreichend fortzubilden. Alle Quereinsteigenden müssen die Möglichkeit erhalten, sich zum ausgebildeten Berufsschullehrer fortzubilden.

 

3. Gewinnung neuer Lehrerinnen und Lehrer

Um die Gewinnung junger Menschen für den Beruf des Berufsschulpädagogen voranzubringen, sollte verstärkt für den Beruf geworben werden und eine frühzeitige Orientierung auf diesen Beruf im Studienwahlprozess erfolgen. Dies ist bislang kaum der Fall. Zudem sollte das Berufsbild attraktiver gemacht werden. Ungerechtfertigte Einkommensunterschiede, etwa zwischen Theorie- und Fachpraxislehrenden müssen abgebaut werden.


4. Freistellungsregelung

Berufsschullehrerinnen und -lehrer müssen für ihre berufliche Fortbildung klare und ausreichende Freistellungsregelungen in Anspruch nehmen können. Dies ist bisher nicht der Fall. Hier gibt es für die nächste Legislaturperiode eine wichtige Aufgabe. Als ersten Schritt wird eine Landesregierung unter Leitung der LINKEN endlich das lange überfällige Bildungsfreistellungsgesetz für Thüringen umsetzen.

 

5. Standorte von Berufsschulen

Es ist wichtig, einen Planungsprozess zu gestalten, in dem unter Verantwortung und Moderation des zuständigen Ministeriums und unter Beteiligung der regionalen Akteure, Berufsschulnetzplanung nach klaren inhaltlichen Kriterien betrieben wird. Ziel muss es nach Auffassung der LINKEN sein, dass Berufsschulen in Thüringen entsprechend solcher Kriterien wie Nähe zum Betrieb, Passfähigkeit zur regionalen Branchenstruktur, Qualität der bestehenden Ausstattung, aber auch Aufrechterhaltung von Bildungsinfrastruktur in ganz Thüringen tatsächlich flächendeckend arbeiten.

 

6. Leitungsstrukturen an den Berufsbildenden Schulen

DIE LINKE ist bereit, über notwendige Änderungen in den Leitungsstrukturen an den Berufsbildenden Schulen mit den Schulen ins Gespräch zu kommen.

 

7. Einsatzmöglichkeiten für Fachpraxislehrerinnen und -lehrer

Das Bildungskonzept der LINKEN sieht einen Ausbau der Berufsorientierung und der beruflich-praktischen Ausbildung an den Schulen vor. In diesem Rahmen ist ein Einsatz von Fachpraxislehrerinnen und -lehrern an den Schulen sinn voll und nützlich.

 

8. Eigenständigkeit beruflicher Schulen

Es ist einer der Eckpunkte des bildungspolitischen Konzepts der Partei DIE LINKE, die Eigenständigkeit von Schulen in den sie selbst betreffenden Fragen und Entscheidungen zu stärken. Hierzu gehören auch die Berufsschulen. Nach unseren Vorstellungen sollen eine Reihe von Fragen, bis hin zur Einstellung von Lehrkräften und Verfügung über die Finanzmittel der Schule künftig durch die Schulen selbst entschieden werden.

 

9. Umsetzung der Inklusion

Auch an den berufsbildenden Schulen muss die Umsetzung inklusiver Bildung vorangetrieben werden. Um dies zu erreichen, wird zunächst eine klare Übersicht über die nötigen personellen und sachlich-technischen Voraussetzungen benötigt. Diese zu schaffen, muss die Hauptaufgabe der nächsten Monate sein, an der alle Akteure zusammenarbeiten. Ein Plan zur Umsetzung der Inklusion an Thüringer beruflichen Schulen ist zu erarbeiten.

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