Zum Hauptinhalt springen

Wahlprüfsteine Landesapothekerkammer / Thüringer Apothekerverband

 

1. Mit dem ARMIN-Projekt startet in Thüringen gerade ein richtungweisendes Projekt des Zusammenwirkens von Apothekern, Ärzten und einer großen Krankenkasse. Alle Seiten sind davon überzeugt, dass dieses Engagement das Patientenwohl fördert und die Kosten im System langfristig senken kann. Welchen Beitrag kann aus Ihrer Sicht die Politik liefern, um zum Gelingen und zur Ausweitung des Projektes beizutragen?

DIE LINKE Thüringen begrüßt das ARNIM-Projekt, das auch in Thüringen etabliert wurde und die Leistungserbringer im Gesundheitswesen stärker vernetzt. Das Projekt, in dem Ärzte und Apotheker ein gemeinsames Medikamentenmanagement für einen jeweiligen Patienten durchführen, dient in erster Linien den kranken Patienten und gewährleistet einen effektiven aber auch wirksamen Einsatz von Medikamenten zur Heilung oder Linderung seiner Krankheit. Wenn der Patient das Gefühl hat, dass sein Apotheker und sein Arzt zusammen arbeiten und für ihn das Beste wollen, so steigert es auch das Vertrauen in die Therapie und diese besser zu verstehen. Durch ARNIM wird besonders auch die Beratungsfunktion der Apotheker gegenüber ihren Kunden gestärkt. Neben dieser Beratungsfunktion kann der Apotheker noch stärker zum Koordinator bei der Medikamentengabe werden, besonders wenn ein Patient von unterschiedlichen Ärzten ein Medikament bekommt. Momentan beteiligt sich nur eine gesetzliche Krankenkasse an dem Projekt. Nach der Evaluierung des ARNIM-Projekts spricht sich DIE LINKE für eine Überprüfung aus, ob eine Ausweitung in Frage kommen würde.

 

 

2. In den letzten Jahren haben in Thüringen auch Apotheken geschlossen, die die einzige in ihrem Ort waren (z.B. Großfahner, Ziegenrück, Körner und Schönbrunn). Mit der Einführung des Nacht- und Nachtdienstfonds wurde ein erster wichtiger Baustein zur Stabilisierung der Versorgung gerade in Flächenländern gesetzt. Welche Beiträge wird Ihre Politik liefern, um die flächendeckende Versorgung auch in Zukunft weiterhin zu stabilisieren?

DIE LINKE Thüringen steht für eine flächendeckende medizinische Versorgung. Allgemein- und Fachärztinnen und –ärzte, sowie Apothekerinnen und Apotheker müssen sowohl in den Städten als auch auf dem Land entsprechend des Bedarfs vorhanden sein. Wir werden uns im Dialog mit den Krankenkassen für die Einrichtung von Landambulatorien einsetzen, in denen sowohl Allgemeinarztpraxen als auch Praxisräume für Fachärztinnen oder –ärzte und Apotheken vorgesehen sind.

Für DIE LINKE Thüringen ist eine wohnortnahe und hochwertige Arzneimittelversorgung besonders wichtig. Die Apothekerinnen und Apotheker haben einen klaren Versorgungsauftrag. Dazu gehört nicht nur eine angemessene Beratung, sondern auch eine konstruktive Zusammenarbeit mit den verschreibenden Ärztinnen und Ärzten. Als Arzneimittelexperten obliegt es den Apothekerinnen und Apothekern, die anderen Akteure im Gesundheitswesen unabhängig über Arzneimittel zu beraten. Wir sehen den Einfluss der Pharmaindustrie auf Ärztinnen und Ärzte bei der Information über neue Arzneimittel sehr kritisch und können uns stattdessen eine Stärkung der Rolle der Apothekerinnen und Apotheker vorstellen.

 

 

3. In etwa der Hälfte der Thüringer Apotheken arbeitet nur ein Apotheker, der den rechtlichen Vorgaben zufolge während der gesamten Öffnungszeiten die Apotheke persönlich zu leiten hat. Auf dem Stellenmarkt der Landesapothekerkammer stehen einem Stellengesuch regelmäßig 10 Jobangebote für Apotheker gegenüber. Wird nach Ihrer Ansicht dadurch ein Apothekermangel deutlich? Wie kann diesem Mangel aus Ihrer Sicht begegnet werden?

Dass in Thüringen nicht genügend Apothekerinnen und Apotheker vorhanden sind, belegen beispielsweise die Zahlen aus dem Jahr 2012, in dem es 151 Stellenangeboten und nur 18 Stellenbewerber gab. Ein erster Schritt, dem Apothekermangel zu begegnen, ist eine verbesserte Ausbildungssituation in Thüringen durch mehr Studienplätze im Fachbereich Pharmazie an der Uni Jena. Damit eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln künftig gewährleistet werden kann, müssen genügend Apothekerinnen und Apotheker ausgebildet werden. DIE LINKE Thüringen fordert eine Erhöhung der Studienplätze im Fachbereich Pharmazie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, um den Rückgang der Fachkräftesituation in Thüringen abzuschwächen.

 

 

4. Die Apotheken in Thüringen bieten wohnortnahe tarifgebundene Arbeitsplätze mit flexiblen Arbeitszeiten und damit beste Voraussetzungen für die Vereinbarung von Job und Familie. Dennoch wird in der politischen Diskussion vereinzelt das Argument vorgebracht, die Arbeitsplätze in der öffentlichen Apotheke seien nicht attraktiv genug. Was ist aus Ihrer Sicht zu tun, um die Attraktivität der Arbeitsplätze zu steigern und welchen Beitrag wird Ihre Politik dazu leisten?

DIE LINKE Thüringen hält es für nicht tragbar, dass die Ausbildung zur/zum pharmazeutisch-technischen Assistent_in (PTA) und zur/zum pharmazeutisch-kaufmännischen Assistent_in (PKA) häufig zu großen Teilen selbst finanziert werden muss, während das Pharmaziestudium in den meisten Standorten gebührenfrei ist. Stattdessen soll jede grundständige Ausbildung gebührenfrei sein. So kann auch eine soziale Auslese der Schülerinnen und Schüler ausgeschlossen werden. Das Vergütungsniveau ist in Apotheken insgesamt relativ niedrig. Ein oder eine PKA bekommt anfangs deutlich unter dem von der LINKEN geforderten Mindestlohn von 10 Euro pro Stunde. Aber auch die Gehälter von PTAs und Approbierten sind angesichts ihrer Qualifikation verhältnismäßig niedrig. In allen Apothekenberufen arbeiten vorwiegend Frauen, Teilzeitarbeit herrscht vor. Die Lösung kann daher nicht nur in engagierten und von der LINKEN häufig aktiv unterstützten Tarifkämpfen liegen. Um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen, bedarf es neben dem Ausbau einer bedarfsgerechten, flächendeckenden, gebührenfreien und qualitativ hochwertigen Kindertagesbetreuung und der Ganztagsschulen, einer familienfreundlichen Umgestaltung der Arbeitswelt.

 

 

5. Das Leipziger Institut für Pharmazie ist von der Schließung bedroht, den beiden Instituten in Halle und Jena kommt daher in Zukunft eine noch wichtigere Rolle für das Pharmaziestudium und damit letztlich für die Ausbildung von Apothekern für Mitteldeutschland zu. Die Thüringer Apothekerschaft liefert mit dem regelmäßig stattfindenden Tag der Pharmazie einen wesentlichen Beitrag dazu, Abiturienten für ein Studium der Pharmazie in Thüringen zu interessieren. Was werden Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten tun, um das Institut für Pharmazie in Jena zu sichern und langfristig für die wachsenden Aufgaben fit zu machen?

Die LINKE Thüringen unterstützt die Forderungen, dass am Lehrstuhl für Pharmazie an der Uni Jena die Studienkapazitäten erhöht werden, um eine wohnortnahe und hochwertige Arzneimittelversorgung zu gewährleisten und das Institut zu sichern. Gleichzeitig muss schrittweise die Ausbildung zum/zur PTA und Apotheker umgestellt werden zur besseren Anpassung an den Bologna-Prozess als Studium mit Bachelorabschluss, mit der Möglichkeit eines anschließendes Masterstudium zum Apotheker. Dabei müssen die Studieninhalte so gestaltet werden, dass die bisherigen Anforderungen an die Approbation zum Apotheker erfüllt werden.

 

 

6. Auch in den Krankenhäusern sind die Aufgaben der Apotheker gewachsen. In vielen großen Häusern ist es inzwischen üblich, dass Apotheker an den Visiten teilnehmen, um die Arzneimittelversorgung der Patienten in bester Qualität sicherzustellen. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass die Politik diese Tendenz in Thüringen fördert?

Auch im Krankenhaus müssen alle Patientinnen und Patienten mit hochwertigen Arzneimitteln nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft versorgt werden. Eine patientenindividuelle Betreuung durch Apothekerinnen und Apotheker im Krankenhaus kann Standard werden, wenn gemeinsam Kriterien dahingehend erarbeitet werden. Gemeinsame Visiten von Ärztinnen und Ärzten und Apothekerinnen und Apothekern sind ein erster Schritt in diese Richtung. DIE LINKE Thüringen unterstützt dies, wenn dadurch sowohl Versorgungslücken als auch Informationslücken reduziert werden und die Informationsqualität der Patienten zur Arzneimitteltherapie verbessert wird.

Zurück zum Kopf der Seite