Frauenarbeit: LINKE fordert, gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit
Frauenarbeit ist mehr wert und muss besser entlohnt werden. Dazu hat DIE LINKE einen Antrag (Drs. 5/4178) im Plenum gestellt, der am 4. Mai behandelt wurde. Der von der Landesregierung vorgelegte Bericht zu diesem Thema bestätigt einmal mehr: Frauen verdienen weniger als Männer, sie verdienen zu wenig. Dies gilt insbesondere für Thüringen. Haben Männer im bundesdeutschen Durchschnitt ein Einkommen von 2.932 € so liegt das der Thüringer Frauen bei 1.794. Das sind 1.138 € weniger! Hinzu kommt, dass der Verdienstunterschied im vergangenen Jahrzehnt größer geworden ist und mit steigendem Alter zunimmt. Verdientein 30-jährige im Vergleich zum bundesdeutschen Mann 921 Euro weniger, so liegt dieseDifferenz bei einer 40-jährige Frauen schon bei 1.344 €. Besonders krass ist der Unterschiedbei Frauen mit Fach- und Hochschulabschluss – ihr Einkommen liegt 1.888 € niedriger als das der Männer in der gesamten Republik.
Das hat verschiedene Ursachen.
- Frauen verdienen oft weniger, weil sie sich um die Kinder kümmern und deswegen eher Ausfallzeiten und Teilzeit-Arbeitsverhältnisse haben.
- Die Leitungspositionen werden vorwiegend mit Männern besetzt.
- Die Lohnverhandlungen von Einzelpersonen und Gewerkschaften fallen häufiger zuihren Ungunsten aus.
- Frauen sind v.a. in frauentypischen Berufen beschäftigt.
Bleiben wir beim letzten Punkt. Frauen dafür zu kritisieren, dass sie gerne in sogenanntenfrauentypischen Berufen arbeiten und gerne Erzieherinnen, Krankenschwestern, Pflegerinnensind, wäre albern. Vor allem weil diese Professionen dringend gebraucht werden. EinProblem wird es erst dadurch, dass diese Berufe so schlecht bewertet und damit auch schlecht entlohnt werden und dass – auch heute noch – dies oft als Naturgesetz angesehen wird. Das gleiche Naturgesetz besagt dann auch, dass Arbeit an Maschinen mehr wert und damit besser zu entlohnen ist.
Dabei stammt dieses Bewertungssystem aus dem 19. Jahrhundert, als große körperliche Kraft nötig war, um an Maschinen zu arbeiten und typisch weibliche Arbeit als Verlängerung von Hausarbeit angesehen wurde, für die ja kein Beruf erlernt werden musste. Schon damals war das Bewertungssystem ungerecht, zumal gerade im 19. Jahrhundert sehr viele Frauen und Kinder unter unwürdigen Bedingungen zu Hungerlöhnen in Fabriken geschuftet haben. Allerdings wurde Frauen an sich schon ein geringerer Wert zugemessen als Männern.
Diese Zeiten sind – zumindest auf gesetzlicher Ebene – zum Glück vorbei. Aber der Fortschritt ist eine Schnecke, besonders hinsichtlich des Alltagsbewusstseins. So werden auch heute noch Tätigkeiten am Menschen z.B. im Sozialbereich oder bei der frühkindlichen Bildung als nicht so schwierig eingeschätzt und somit auch schlechter bezahlt. Dabei wird die Differenzierung zwischen angeblich einfacher sozialer und der angeblich schwereren Maschinenarbeit immer absurder. Gemessen an der für ihre Aufgaben nötigen Muskelkraft dürften Altenpflegerinnen, die bettlägerige Menschen zu betreuen haben, sicher stärker belastet sein als Mechatroniker, die einen Großteil ihrer Arbeit am Computer erledigen.
Hinzu kommt, dass Frauen kaum in Führungspositionen vertreten sind, dass sich die Familienausfallzeiten wegen Kindererziehung zulasten der Fraueneinkommen auswirken und Frauen bei Lohnverhandlungen von Personalchefs nach unten gedrückt werden. Nach wie vor zählen Frauen häufig noch als Zuverdienerinnen. Dass sie in der Realität oft diejenige sind, diesich um die Kinder kümmern, diejenigen, die dann auch nur in Teilzeit arbeiten und hinzuverdienenkönnen, liegt oft daran, dass die Familie nicht auf das meist größere Einkommendes Mannes verzichten kann.
Viele junge Frauen sind nicht nur gut gebildet, sondern auch keineswegs der Meinung, dass sie weniger verdienen müssten. Viele junge Frauen verlassen aus diesem Grund ostdeutsche Bundesländer, insbesondere Thüringen, weil die Verdienste hier ohnehin zu gering und für Frauen noch schlechter sind.
All das ist unerfreulich. Häufig – und gerne von der FDP – wird auf die individuellen Entscheidungen der Menschen verwiesen, darauf, dass die Frauen nun mal zu Hause bleiben wollen, dass sie sich für die schlechter bezahlten Jobs entscheiden. Es muss ja keine Frau als Erzieherin arbeiten, Frisörin oder Krankenschwester werden.
Was aber wäre, wenn Frauen all diese Tätigkeiten nicht mehr machen würden?
Wer kümmert sich dann um die Kinder, um kranke und alte Menschen?
Es ist also längst überfällig, in all diesen Bereichen das 19. Jahrhundert zu überwinden:
- Wir brauchen ein anderes Bewertungssystem, das weibliche Tätigkeiten nicht länger geringer einstuft als männliche.
- Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss so verbessert werden, dass es auch fürMänner attraktiver wird, sich um die Kinder zu kümmern.
- Familienbedingte Ausfallzeiten dürfen nicht automatisch zum Karrierekiller werden –darin erworbene organisatorische, soziale und oft auch psychologische Fähigkeiten sind als Qualifikationsmerkmale anzuerkennen.
- Die Einführung anonymer Bewerbungsmethoden könnte dazu führen, dass mehr Frauen zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden und somit ihre Chance deutlich steigt, einen Job zu bekommen.
- Es müssen mehr Frauen in Führungspositionen – auch im Landesdienst.
Dafür sind zum Teil gesetzliche Regelungen, aber auch Verhaltens- und Einstellungsveränderungennötig. Wenn den Frauen Leitungsposten verwehrt werden, brauchen wir Quoten für Professorinnen, Aufsichtsrätinnen und Referatsleiterinnen. Wenn Personalchefs merken, dass sie eher Männer zu Vorstellungsgesprächen einladen, sollten sie die anonymen Bewerbungsverfahren ausprobieren. Wenn sich Gewerkschaften in Tarifverhandlungen begeben, sollten sie überlegen, wie sie eine größere Geschlechtergerechtigkeit erreichen. All das wird dauern – aber es sollte keine weitere Zeit verloren werden, um mit der Veränderung zu beginnen.
Gabi Ohler
