Die Linke Thüringen für längeres gemeinsames Lernen und für starke Gemeinschaftsschulen
In der Ankündigung der Landesregierung, die Schulordnung in Verordnungswege zu verändern und damit den inhaltlichen Kern des längeren gemeinsamen Lernens anzugreifen, sehen wir den Bestand der Gemeinschaftsschulen in Thüringen gefährdet.
Der Grundsatz, “Bildung vom Kind her denken” ist immanenter Bestandteil unserer Bildungspolitik und unseres Bildungsverständnisses. Kinder von Beginn ihrer Schulzeit an mit Noten in Schubladen zu stecken und diese mittels eines undurchlässigen, gegliederten Schulsystems zum Ende der Grundschulzeit zu verfestigen, entspricht nicht unserem Verständnis von Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Jedes Kind hat Anspruch auf die bestmögliche Förderung und auf Zeit, um seine Entwicklung im Schulsystem zu nehmen, ohne Selektionsdruck bereits zu Beginn der Schulzeit.
Klassenkampf, die Einteilung in oben und unten, findet heute auch in den Klassenzimmern statt. Sehenden Auges sollen Bildungsverlierer:innen produziert werden, die dem Arbeitsmarkt dann als billige Kräfte zur Verfügung stehen. Aufstiegschancen werden damit minimiert. Das Aufstiegsversprechen durch Bildung wird ad absurdum geführt, wenn der Geldbeutel der Eltern über den Bildungsweg entscheidet. Kindern und Familien wird vorgespiegelt, persönliche Leistung allein sei der Schlüssel zum Erfolg. Studien belegen aber, dass gerade Kinder aus sozial und finanziell benachteiligten Familien gerade nicht nach ihrer persönlichen Leistung bewertet werden sondern nach ihren Umständen und, dass Kinder aus Familien mit hohen finanziellen und sozialen Ressourcen im gegliederten
Schulsystem bevorzugt werden und auf Unterstützungsleistungen zurückgreifen können, die auch Mittelstandsfamilien verwehrt bleiben.
Die bunte Schullandschaft in Thüringen hat sich auf den Weg in die Moderne gemacht und vielfach in demokratischen Prozesse gewandelt. Weg vom frontalen Beschulen hin zu Lernorten, an denen für ein Thüringen von Morgen gedacht und gemacht werden kann. Hier die Axt anzulegen bedeutet zurück in eine Vergangenheit, die nicht in der Lage ist, den Herausforderungen der modernen Welt gerecht zu werden und ein Menschenbild propagiert, das wir überwunden glaubten. Hier eingreifen bedeutet, demokratische Prozesse zu missachten in einer Zeit, in der viele Menschen ohnehin das Vertrauen in das Funktionieren der Demokratie verlieren. Die Uhren in der Bildungspolitik zurückzudrehen bedeutet, Kindern Chancen zu verbauen für eine kapitalistische Leistungsgesellschaft, die Verlierer braucht, damit es Gewinner geben kann.
Dem stellen wir uns entschieden entgegen und fordern die Landesregierung auf, die Änderung zurückzunehmen.
