Damit die Thüringer Wälder bestehen können: Thüringens Weg in die Zukunft
Unser Wald ist nicht mehr derselbe wie früher, und wir sehen das vor unserer Haustür: Der Klimawandel verändert ihn grundlegend. Dürre, Stürme und Borkenkäfer setzen den Bäumen zu und schwächen sie. Der Trend ist eindeutig: Die Schäden nehmen von Jahr zu Jahr zu. Bereits 2019 reagierte die Landesregierung mit dem Plan »Grünes Herz Thüringen. Aktionsplan Wald 2030 ff.« auf das komplexe Schadensgeschehen in den Thüringer Wäldern und formulierte ein langfristig wirksames Maßnahmenbündel. Diese umfasst ein finanzielles Volumen von 500 Millionen Euro aus verschiedenen Finanzierungsquellen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Zwischen 2018 und 2023 fielen im Freistaat Thüringen rund 29 Millionen Festmeter Schadholz an, davon 90 Prozent Nadelholz (insbesondere Fichte) und 10 Prozent Laubholz (vor allem Buche). Allein von Januar bis Mai 2024 kamen in Thüringen eine Million Festmeter Schadholz hinzu, was zu einer Schadfläche von rund 120.000 Hektar führte – das entspricht etwa 22 Prozent der gesamten Waldfläche Thüringens.
Unsere oberste Priorität ist es, die Kalamitätsflächen aufzuforsten und den Wald klimagerecht umzubauen, um den Thüringer Wäldern eine Zukunft zu geben. Für die Wiederbewaldung und den Waldumbau stehen ThüringenForst bis 2036 insgesamt 176 Millionen Euro zur Verfügung. Die Gesundheit der Bäume muss aktiv gestärkt werden, was angesichts des aktuellen Schadensbildes zu einer Generationenaufgabe wird. Das Ziel ist ein klimagerechter Wald, der durch vielfältig gemischte und strukturierte Waldbestände geprägt ist, die ein hohes Maß an ökologischer Selbstregulierung aufweisen und eine Risikoverteilung schaffen. Die Zeit der Monokulturen (derzeit noch 57 Prozent Nadelholz) ist vorbei.
Waldumbau und Wiederbewaldung erfordern Geduld und finanzielle Mittel. Die Landesforstanstalt und das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha (FFK) spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie erforschen, wie sich der Wald auf die neuen Herausforderungen des Klimawandels einstellen kann. Aus diesen Erkenntnissen können dann die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, um den Wald für uns alle zu erhalten. Darüber hinaus geben sie ihr Wissen auch an Waldbesitzende weiter. Allein 2023 wurden in 60.000 Stunden über 33.300 Beratungen durchgeführt, was den Bedarf und die Bedeutung dieser Arbeit unterstreichen. So wächst ein Netz an Expert:innen, das es braucht, um gemeinsam diese Aufgabe über Generationen hinweg zu bewältigen. Daher bedarf es einer guten personellen Ausstattung und ausreichender finanzieller Mittel, um den Waldumbau aktiv zu begleiten. Vor allem die kleinen Waldbesitzer:innen (bis 20 Hektar) wollen wir weiterhin unterstützen. Wir wollen Mut machen, sich in forstlichen Zusammenschlüssen zu organisieren, um schlagkräftiger zu werden und den Waldumbau gemeinsam anzugehen. Auch die Kommunen müssen sich der Verantwortung des Waldumbaus stellen und dürfen den eigenen Wald nicht zur Haushaltskonsolidierung verkaufen.
Um den Umbau zu schaffen und die Aufgaben erfüllen zu können, braucht es auch in den nächsten zehn Jahren zusätzliche Erträge. Der Ausbau erneuerbarer Energien, wie zum Beispiel Windkraft, steht daher nicht im Gegensatz zum Schutz des Waldes in Thüringen. Statt ideologischer verbohrter Blockaden - wie von CDU, AfD und FDP - braucht es Mut und Wille zur Veränderung, wenn wir unsere Natur schützen und für die nachfolgenden Generationen erhalten wollen.
Anders als von der Opposition behauptet, muss kein vitaler Baum in Thüringen für eine Windkraftanlage gefällt werden. Im Wald von Thüringenforst geht es zum Beispiel um 0,05% der Schadflächen. Auf den entstandenen Kalamitätsflächen können sowohl Erträge aus Windkraftanlagen erzielt werden und gleichzeitig der Wald zukunftsfest zu resilienten Mischwäldern umgewandelt werden. Damit kann die Umförsterung dauerhaft besser finanziert werden – Geld was gut angelegt ist für einen Wald mit Zukunft.
Wir wissen, wie wichtig der Schutz des Waldes ist. Er ist nicht nur ein Erholungsraum, sondern auch ein Wirtschaftsraum, der naturgemäß vor allem in den ländlichen Regionen verortet ist. Er ermöglicht den Aufbau nachhaltiger regionaler Wirtschaftskreisläufe, die besonders dem ländlichen Raum zugutekommen. Das bedeutet, dass wir mit den Forstbetrieben gemeinsam die Saatgutproduktion ausbauen und auch weiterhin das Bauen mit Holz verstärken wollen. Hierfür haben wir die Thüringer Bauordnung angepasst und bereits gute Initiativen gemeinsam mit der Fachhochschule Erfurt etabliert und unterstützt, wie beispielsweise Holz Regio 21. Das wollen wir verstetigen, in öffentlichen Bauvorhaben noch stärker vorantreiben und Lebenszykluskosten in die Preiskalkulationen zu verankern.
Unsere rot-rot-grüne Landesregierung mit Bodo Ramelow als Ministerpräsident hat der Entwicklung nicht zugesehen, sondern an vielen Stellen aktiv eingegriffen. So wurde der Stellenabbau der Vorgängerregierungen beendet, denn die Waldrettung benötigt ausreichend Förster:innen. So pflanzte allein die Landesforstanstalt in den letzten drei Jahren über sechs Millionen Setzlinge auf fast 6.000 Hektar Schadfläche. Das ist eine Verdopplung der Wiederbewaldungsfläche im Vergleich zu den Vorjahren. Dafür stellt die landeseigene Forstbaumschule Breitenworbis jährlich etwa zwei Millionen Setzlinge für die Wiederbewaldung zur Verfügung. Insgesamt werden in Breitenworbis 32 verschiedene Baumarten für den artenreichen Waldumbau kultiviert. Waldbesitzübergreifend (kommunal, privat und staatlich) wurden insgesamt über 11.000 Hektar Waldfläche neubepflanzt.
Zur Bewältigung der durch Dürre, Sturm und Borkenkäferbefall entstandenen außergewöhnlichen Sondersituation wurden der Landesforstanstalt zusätzliche Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt. Während die forstliche Fördersumme 2018 noch rund fünf Millionen Euro betrug, erreichte der Auszahlungsumfang an die (vor allem privaten und kommunalen) Forstbetriebe 2021 einen historischen Höchstwert von 35 Millionen Euro. Für 2024 stehen mit knapp 21 Millionen Euro etwa viermal so viele Mittel zur Verfügung wie 2019. Hinzu kommen weitere Förderprogramme des Bundes, die den Thüringer Forstbetrieben zugutekommen.
Unser Wald muss sich dem veränderten Klima anpassen, wenn er für uns das bleiben soll, was er ist: Lebensraum, Erholungsraum und wirtschaftlicher Nutzraum. Der Mensch braucht den Wald, um zu leben, und der Wald braucht uns jetzt, um überleben zu können. Der Weg ist lang, doch Thüringen ist auf einem guten Weg. Lassen Sie ihn uns gemeinsam weiter mit derselben Entschlossenheit gehen!
Ulrike Grosse-Röthig / Susanna Karawanskij / Christian Schaft (16. August 2024)
