Ein freiwilliges Jahr für alle!

Sitzung am 24.10.2025

Beschluss 18-2025

In der aktuellen Debatte rund um ein potentielles verpflichtendes oder freiwilliges Jahr vermischen sich gesellschaftspolitische Schwergewichte: Fragen von Generationsgerechtigkeit, Bildungsansprüchen, Notwenigkeit von Ehrenamt und Wehrdienst stehen sich dabei gegenüber. Vor allem Jugendliche sollen dabei verpflichtet werden, was wir insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Militarisierung und des neuen Wehrdienstmodells mit großer Sorge betrachten. Die Linke Thüringen hat sich die Frage von Vor- und Nachteilen so eines Konzepts gestellt und hält folgendes fest:

1.) Akteure

Das freiwillige Jahr würde davon profitieren, wenn alle Generationen daran partizipieren können. Alle Menschen haben gemein, dass sie früher oder später einen anderen Berufsweg einschlagen wollen, neugierig auf andere Betätigungsfelder sind oder einen Blick in gesellschaftliches Engagement wagen wollen. Allen Personengruppen sollte der Weg für ein verpflichtendes bzw. freiwilliges Jahr geöffnet werden. Auch die beteiligten Institutionen würden von den unterschiedlichen Erfahrungsschätzen und verschiedenen Motivationsbildern der Bewerbenden profitieren. Im Sinne der Generationsgerechtigkeit und Vielfalt spricht sich der Landesverband Thüringen für eine Öffnung für alle Menschen aus.

2.) Freiwilligkeit

Die Linke Thüringen erkennt an, dass eine Verpflichtung den Vorteil bringen würde, dass ein breiter Teil der Gesellschaft an einem sozialen Jahr beteiligt werden würde. Diese gemeinsame Erfahrung könnte die Gesellschaft im Sinne des Zusammenhalts tragen und positiv entwickeln. Dem gegenüber steht, ein grundlegendes Verständnis einer Gesellschaft, in der sich jeder und jede nach freiem Ermessen und Willen entfalten kann. Zu berücksichtigen ist auch ein sehr hoher Organisationsaufwand - Verbände und Vereine müssten die Umsetzung dieser Verpflichtung mittragen. Darüber hinaus würde eine Verpflichtung selbstgewählte Bildungs- und oder Berufswege verzögern oder gar verhindern, weshalb sich der Landesverband Thüringen für ein freiwilliges Jahr ausspricht. Ein freiwilliges Jahr steigert möglicherweise die Qualität der Angebote und unterstützt einen ernsthaften Willen sich in der Zivilgesellschaft einzubringen, ohne weiteren Zwängen ausgesetzt zu sein.

3.) Sozial?

Die Linke Thüringen wünscht sich eine Öffnung der potentiellen Betätigungsfelder. Ein freiwilliges Jahr, soll die Interessensvielfalt der Nutzenden und Anbietenden wiedergeben. Kulturelle Einrichtungen, Umweltverbände, Sportverbände usw. tragen alle zu sozialen Zusammenhalt bei. 

Die Linke Thüringen setzt auf die Gemeinnützigkeit der Angebote. Ein freiwilliges Jahr dient der Weiterbildung und Entwicklung der Akteure, ersetzt also keine Arbeitskraft. Ein freiwilliges Jahr darf also z.B. kein Fachkräftegebot untergraben.

4.) Zeitraum

Das freiwillige soziale Jahr muss sich an den unterschiedlichen Lebensentwürfen richten sowie die Möglichkeit für Vereine und Verbände bieten, kürzere und/oder längere Angebote zu realisieren. Wir empfehlen einen Zeitraum von 6-24 Monate sowie einen flexiblen Einstiegszeitraum.

5.) Grundsätzliches

Damit das Angebot tatsächlich von allen Menschen genutzt werden kann, ist eine gute inhaltliche und finanzielle Unterstützung wichtig. Folgende Voraussetzungen müssen aus Sicht der Linken Thüringen gegeben sein: 

  • Erhalt des Kindergeldanspruchs
  • Pädagogische Begleitung und Beratungsunterstützung der Vereine und Verbände sowie Aktiven
  • Kostenfreies Deutschlandticket
  • Kosten der Unterkunft müssen bei Bedarf unterstützt werden
  • Verpflegungskosten müssen getragen werden
  • Anrechnung von Rentenpunkten
  • Vollumfänglicher Versicherungsschutz
  • Möglichkeit der Anrechnung für Studium und/oder Ausbildung