Solidarität mit den Beschäftigten von Zalando in Erfurt: Die Standortschließung ist unverantwortlich

Beschlusstext des geschäftsführenden Landesvorstands

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Der geschäftsführende Landesvorstand der Partei Die Linke Thüringen verurteilt die angekündigte Schließung des Zalando-Standortes in Erfurt auf das Schärfste. Dass rund 2.700 Beschäftigte unmittelbar nach dem Weihnachtsgeschäft mit dieser Hiobsbotschaft konfrontiert werden, ist sozial kalt, respektlos und zeugt von einem eklatanten Mangel an Verantwortung gegenüber den Menschen, die diesen Standort über Jahre hinweg getragen und die Gewinne dieses Konzerns erwirtschaftet haben.

Der Standort Erfurt liegt in Ostdeutschland. Einer Region, in der industrielle Ansiedlungen
und sichere Arbeitsplätze nach wie vor von besonderer Bedeutung sind. Die Gründer von Zalando haben in der Vergangenheit ausdrücklich für Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland geworben. Wer so um Vertrauen, Arbeitskraft und öffentliche Unterstützung wirbt, darf sich dieser Verantwortung nicht entziehen, sobald betriebswirtschaftliche Kennzahlen es opportun erscheinen lassen.

Wir erklären uns solidarisch mit den Beschäftigten, ihren Familien sowie mit den betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretungen. Die Beschäftigten haben das Recht auf Sicherheit, Perspektiven und faire Arbeitsbedingungen. Viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammen aus osteuropäischen Ländern und haben sich bewusst für eine Arbeit bei Zalando entschieden, sind für diesen Arbeitsplatz nach Thüringen gezogen und haben hier ihren Lebensmittelpunkt aufgebaut. Auch für diese Menschen bedeutet die Standortschließung existentielle Unsicherheit. Zalando trägt ihnen gegenüber eine besondere Verantwortung, da der Konzern von ihrer Arbeitskraft, ihrer Flexibilität und ihrem Vertrauen in stabile Beschäftigung profitiert hat.

Alarmierend ist der zeitliche Zusammenhang zwischen den Bemühungen der Belegschaft um einen Tarifvertrag und den einhergehenden Warnstreiks und der nun angekündigten Standortschließung. Das grundgesetzlich verankerte Recht auf Streik sowie legitime Forderungen nach Mitbestimmung und tariflichen Standards dürfen nicht mit Standortverlagerung und Arbeitsplatzabbau bestraft werden.

Zalando trägt eine besondere Verantwortung für den Standort Erfurt. Die Niederlassung wurde mit Steuergeldern subventioniert und ist über Jahre hinweg Teil der regionalen Wirtschaftsstruktur gewesen. Es ist nicht hinnehmbar, dass ein internationaler Konzern die Zukunft von 2.700 Beschäftigten und einer ganzen Region aufs Spiel setzt, um kurzfristig Kennzahlen im Geschäftsbericht zu optimieren. Zalando muss deshalb die erhaltenen öffentlichen Fördermittel an die Beschäftigten zurückzahlen, wenn der Standort geschlossen wird, um die Verantwortung für diese Investitionen und für die Beschäftigten einzulösen.


Die Linke Thüringen fordert Zalando auf,

- den Standort Erfurt zu erhalten,
- ernsthafte Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaften zu führen,
- die erhaltenen öffentlichen Fördermittel an die Beschäftigten zurückzuzahlen,
- und seiner sozialen und öffentlichen Verantwortung gerecht zu werden.

Wir erwarten zudem von der Landes- und Bundesregierung, alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Interessen der Beschäftigten zu schützen, öffentliche Fördermittel an soziale und tarifliche Standards zu binden und Arbeitsplatzvernichtung durch Konzerne nicht tatenlos hinzunehmen.

Die Linke steht an der Seite der Beschäftigten