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Mario Hesselbarth

Zum 100. Jahrestag des Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch

Foto: CTHOE - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11950894
Gedenkstein für die Mordopfer von Mechterstädt in der Gothaer Strasse in Mechterstädt

In den Morgenstunden des 13. März 1920 besetzte die unter dem Zeichen des Hakenkreuzes marschierende Marinebrigade Ehrhardt das Berliner Regierungsviertel. Den Befehl hierzu hatte sie vom Reichswehrgeneral Walther von Lüttwitz erhalten, der sich selbst zum Reichswehrminister ernannte und den vormaligen ostpreußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp als Reichskanzler einsetzte. Da sich die Reichswehrführung entgegen ihrem Verfassungseid weigerte, die verfassungsgemäße Reichsregierung Ebert/Bauer zu verteidigen, musste sie aus Berlin flüchten.

Einen Tag später putschten auch in Thüringen Teile der Reichswehr gegen die sozialdemokratisch geführten Landesregierungen in Weimar, Gera und Altenburg.

Der als Kapp-Putsch in die Geschichte der Weimarer Republik eingegangene Staatsstreichversuch scheiterte nach wenigen Tagen am Generalstreik von 12 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellten und Beamten. Mit der Lahmlegung der Produktion und des öffentlichen Lebens durchkreuzten sie die Pläne der Putschisten zur Beseitigung der parlamentarischen Demokratie. „Wer arbeitet stärkt die Reaktion und vernichtet damit Freiheit und Vaterland“ hatte der Aktionsausschuss in Weimar die Situation zutreffend charakterisiert. Thüringen gehörte im März 1920 zu den Zentren des Widerstands gegen den Putsch.

Zugleich stellte die Generalstreikbewegung gegen den Kapp-Putsch ein demokratisches Potenzial, die Weimarer Republik politisch und sozial zu stabilisieren. Dass dies von der sozialdemokratisch geführten Reichsregierung weitgehend ungenutzt blieb und die republikfeindlichen Kräfte im Militär, in der Verwaltung und nicht zuletzt in der Justiz weiter gegen die Demokratie wirken konnten, trug wesentlich zur fortschreitenden Schwächung der Weimarer Republik bei und führte letztlich mit zu ihrem Untergang.

DIE LINKE. Thüringen erinnert an die Erfahrung des massenhaften parteiübergreifenden Handelns zur Verteidigung der Demokratie im März 1920. Wir gedenken der dabei ums Leben gekommenen Menschen in Altenburg, Gera, Weimar, Erfurt, Gotha und Suhl. Unsere besondere Erinnerung gilt dabei den von Reichswehr und Zeitfreiwilligen Ermordeten bei Mechterstedt, Schallenburg, Tunzenhausen und Sömmerda.