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Weihnachten 2020

Weihnachten in Familie: eine in Schlagerheimeligkeit gern besungene scheinbare Selbstverständlichkeit gerät 2020 zum Gegenstand erregter politischer Debatten. Was ist plötzlich los vor dem alljährlichen „Fest der Liebe und des Friedens“?

Fraglos verlangt uns allen das zu Ende gehende Jahr auch jetzt noch einiges ab.

Doch gleich vorweg: der Vergleich des CDU- Politikers Armin Laschet mit den „schwersten Weihnachten seit Ende des 2. Weltkriegs" stellt eine verantwortungslose pathetische Überhöhung dar.

Ja, wir sollen 2020 gezwungenermaßen verzichten: auf Fernfahrten in überheizte Shoppingmalls mit ihrer Sonderangebotsflut, auf überlaufene Märkte, auf hastende Menschenmassen, auf den Aberwitz künstlich beheizter Außencafes im Winter, auf dicht gedrängte Glühweinseligkeit und die lautstarke Dauerberieselung mit tonalem Kitsch. Doch Musik, Punsch sowie gutes Essen in allen erdenklichen Variationen kann man auch zu Hause auftischen und der Onlinehandel versorgt uns selbst mit Geschenkartikeln. Wer diese Situation mit Dezember 1945 gleichsetzt, dem fehlt offenbar jede Vorstellung von Hunger, Obdachlosigkeit, Trostlosigkeit, Kälte in Zimmern und Herzen, fortwährendem Sterben, Mangel in jeder Hinsicht. Damals galt ein Besatzungsrecht, welches die Nichteinhaltung von Festlegungen tatsächlich mit dem Tode bestrafen konnte. Nicht einmal die sehr sacht aufgefahrenen Wasserwerfer von Berlin oder Hildburghausen sind damit auch nur ansatzweise gleichzusetzen.

Die wirklich bitteren Einschränkungen sind derzeit andere: Das jährliche Weihnachtssingen der Seniorengruppe, Vereinstreffen mit Kinderbescherung, die Aufführung des Weihnachtsoratoriums in der Kirche oder Tschaikowskis Nußknacker- Suite im Opernhaus, das alles fällt diesmal genauso aus wie Xmas- Punkrock und Fußballbudenzauber um den Jahreswechsel. Hilfsbedürftige, welche inmitten der ersten Pandemiewelle noch relativ unkompliziert mit Einkäufen solidarisch unterstützt werden konnten, sollen jetzt womöglich noch stärker auf häusliche Sozialkontakte verzichten müssen.

Was also tun als Linker, für den Solidarität auch in der eigentlich schönen Zeit vor dem Jahresende ein zentraler Begriff ist?

Zuallererst sollten wir gerade in der als besinnlich geltenden Zeit Sachlichkeit walten lassen. Vertrauen wir den Forschungen seriöser, empathischer Wissenschaftler und hüten wir uns, den Sirenengesängen jener zu folgen, die ausgerechnet angesichts einer weltweiten Gesundheitsgefahr für Schwächere plötzlich die Freiheit beschwören. Jene Freiheit, welche diese Leute bisher kaum interessierte, so lange es um die Situation von gesellschaftlich benachteiligten Gruppen ging.

Freiheit aber, welche sich nicht gegen gesellschaftliche Zustände wie Ungerechtigkeit und Ungleichheit wendet, meint lediglich Freiheit als Freibrief für den (ökonomisch) Stärkeren. Ohne Rücksicht auf Nachbarn, Mitbürger, Betroffene. Es geht bei den jetzigen Aufmärschen der Coronaleugner nicht um die solidarische Frage „Wer zahlt für die Krise?“, sondern lediglich um die Rechtfertigung egoistischer Regelbrüche. Deshalb verwundert nicht, das neben verirrten Esoterikhippies viel mehr Sozialdarwinisten („Jeder muss schließlich mal sterben!“) bis hin zum offenen Rechtsextremismus bei „Coronademos“, welche oft genug bereits in Gewalttätigkeit ausarteten, den schrillen Ton angeben.

Das ist nicht der Weg der LINKEN. Als aufgeklärte Menschen akzeptieren wir die gegenwärtigen individuellen Einschränkungen als Ausdruck der Solidarität mit den von einer bisher nicht gekannten Gesundheitsgefährdung Betroffenen. Selbst wenn uns dies schwer fällt. Gleichzeitig kämpfen wir auch jetzt für die Belange derer, die von Krisen wie der jetzigen am schwersten betroffen sind. Wir verlangen viel bessere Löhne und Personalausstattungen für die unter höchster Anspannung arbeitenden Pflegekräfte, aber auch bessere Bedingungen für die zu Pflegenden. Wir legen den Finger in die Wunde eines immer mehr durch marktradikale Fehler geschwächten Gesundheitssystems und wir benennen klar die Heuchelei der wohlfeilen Beifallswünsche für Ärzte und Schwestern. Löhne rauf und Profite der Konzerne runter, in der Pflege, aber auch bei amazon und DHL, wo viel zu wenige Postboten in der Weihnachtszeit wieder viel zu viele Kilometer im Dauerlauf abspulen müssen. Wir erinnern wieder und wieder an die von Existenzängsten bedrohten Soloselbstständigen und Künstler, welche dem Bundeskabinett offenbar noch immer schnuppe sind, während Riesen wie TUI erneut Milliarden hinterher geschleudert bekommen. Und wir sind uns einig mit allen, die aus Solidarität mit den Gefährdeten jetzt tatsächlich eigene Bedürfnisse ein Stück weit einschränken, die AHA- Regeln beachten und Rücksicht üben. Dafür danken wir ausdrücklich, das ist unsere Weihnachtsbotschaft.

Wir wissen gleichzeitig, dass gesellschaftlicher Frieden nur durch Gerechtigkeit hergestellt werden kann. Also müssen wir weiter kämpfen, um die Macht von Monopolen zu beschneiden und das Steuersystem zu reformieren. Das Ringen um den „Friede auf Erden“, der leider noch immer nicht allen Zeitgenossen ein „Wohlgefallen“ ist, gehört angesichts des Elends der Flüchtlinge in Moria und anderswo dazu.

Die Thüringer LINKE steht neben den Kämpfen in diesen großen Zusammenhängen zusätzlich vor der Herausforderung, die Geschicke für 2 Millionen Einwohner des Freistaats unter Krisenbedingungen pragmatisch und demokratisch zu lenken. Auch da gilt: „Unser Kompass: Solidarität“. So werden viele GenossInnen noch vor dem Weihnachtsfest die gleichnamige, neue Ausgabe unserer Zeitung „Linksblick“ in die Briefkästen der ThüringerInnen bringen. Dies soll unter Coronabedingungen auch ein kleines Signal sein: Sie sind nicht allein in dieser Krise, DIE LINKE denkt an jeden Mitmenschen, der gerade in diesen Zeiten soziale Kontakte braucht.

Deshalb meine Bitte: Halten Sie mit uns gemeinsam durch. Gegen Corona, die Krise und die Ungerechtigkeiten in dieser Gesellschaft. Und tragen wir die fortschrittliche Botschaft des Weihnachtsfestes als Ausdruck eines tief verwurzelten Humanismus weiter: Dieses Jahr eben trotz mancher Einschränkung vor allem in der Familie.

Legen Sie in diesen Tagen weihnachtliche Musik von Bach oder Bad Religion auf, lachen Sie über die Hoppenstedts oder das „Buschgespenst“, sehen Sie die „Weihnachtsgans Auguste“ oder Baba Jaga, folgen Sie Alice ins Wunderland oder dem Nußknacker im Kampf des Guten gegen das Böse. Was immer Sie tun, es wird das Richtige sein.

Frohe Weihnachten und alles Gute für 2021!

Mathias Günther


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