Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Die revolutionäre Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland und Thüringen

Vor 100 Jahren, in der Nacht vom 7. zum 8. November begann auch in Thüringen die Novemberrevolution 1918. In Weimar und Altenburg erhoben sich Soldaten unter dem Eindruck des am 4. November 1918 begonnenen Matrosenaufstandes in Kiel. Ihnen folgten am 8. November revolutionäre Soldaten, Arbeiterinnen und Arbeiter in Gotha, Eisenach und Erfurt. Am 9. November 1918 erzwang die Revolution die Abdankung Kaiser Wilhelm II.. In den nachfolgenden Tagen mussten auch in Thüringen die dynastischen Herrscher ihre Throne räumen.

Die Novemberrevolution 1918 beendete den Ersten Weltkrieg. Sie etablierte eine Republik mit allgemeinem Wahlrecht, nun auch für die Frauen. Demokratische und soziale Rechte, jahrzehntealte Forderungen der Arbeiterbewegung, wurden verwirklicht. All das stellte einen wesentlichen historischen Fortschritt im Vergleich zu dem von Bismarck 1871 begründeten preußisch-deutschen Obrigkeitsstaat dar. Seinen Ausgangspunkt hatte dieser Fortschritt nicht in Beschlüssen von Parlamenten, sondern in den spontanen Massenaktionen der revolutionären Soldaten, Arbeiterinnen und Arbeiter. Im Kern ging es im November 1918 um Frieden und Demokratie, republikanische Staatsform, individuelle und kollektive staatsbürgerliche Freiheiten und Rechte, Emanzipation und Partizipation, die Lösung der sozialen Frage einschließlich der Eigentumsfrage. In Thüringen ging es zudem um die Überwindung der Kleinstaaterei. Das heutige Land Thüringen ist ein konkretes Ergebnis der Novemberrevolution 1918.

Überall in Deutschland und auch in Thüringen entstanden im November 1918 in Gestalt der Arbeiter- und Soldatenräte neue basisdemokratische Organisationsformen, die die parlamentarische Demokratie hätten ergänzen und vertiefen können. Die damit verbundene Chance für eine stabilere Republik wurden ebenso wenig ergriffen wie die Forderungen der Rätebewegung nach einer umfassenden Demokratisierung der Verwaltung und des Militärwesens und eine Sozialisierung der hierzu reifen Betriebe unerfüllt blieben. Die strikte Ablehnung der außerparlamentarischen Masseninitiativen ihrer eigenen Basis hinderte die sozialdemokratische Führung an einer konsequenten Vollendung der demokratischen Revolution. Die Führungsschwäche der USPD führte zum vorzeitigen Rückzug aus wichtigen Machtpositionen und überließ so der Revolution ihren Gegnern. Die Fehleinschätzungen der historischen Situation durch die radikale Linke und ihr Maximalismus bewirkten deren Isolation. Auch das führte zur Niederlage der Revolution, zur Schwächung der Weimarer Republik und schließlich ihrem Untergang am 30. Januar 1933 und der nachfolgenden NS-Diktatur einschließlich ihrer Menschheitsverbrechen.

Es ist diese doppelte Bilanz, die Niederlage mit ihren dramatischen Folgen für die deutsche und europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts und zugleich der gesellschaftliche Fortschritt, die den Umgang und die Auseinandersetzung mit der Novemberrevolution 1918 auch nach einhundert Jahren aus einer demokratisch-sozialistischen Perspektive zu einer Herausforderung macht.

DIE LINKE in Thüringen hat sich dieser Herausforderung mit ihrer Gründung angenommen. Wir stehen „in der Tradition der Opposition gegen den imperialistischen Ersten Weltkrieg und der Burgfriedenpolitik. Wir nehmen das Erbe der Rätebewegung von 1918/19 auf, die im Ergebnis der Novemberrevolution wichtige demokratische Grundrechte erkämpfte. In den sozialen und demokratischen Reformen der sozialistischen Regierungen in Thüringen von 1919 bis 1923 sehen wir ein verschüttetes Erbe sozialistischer Politik.“ (Gothaer Gründungserklärung 2007)

Mario Hesselbarth, Mitglied der Historischen Kommission der Partei DIE LINKE


  1. 17:00 - 21:00 Uhr
    Landesgeschäftsstelle

    Sitzung des Landesvorstandes

    In meinen Kalender eintragen
  1. 09:00 - 11:00 Uhr
    Landesgeschäftsstelle

    Geschäftsführender Landesvorstand

    In meinen Kalender eintragen

  1. Landesgeschäftsstelle

    Klausur des Landesvorstandes

    In meinen Kalender eintragen